Pauli rennt den Allgäu Ultra Trail

Sehr geehrte Damen und Herren,

als ich im August 2010 am Start des Allgäu-Ultra-Trails in Sonthofen stand, einem Ultra-Marathon über 69 Kilometer mit rund 3.000 Höhenmetern, hatten meine Familie und ich im Vorfeld viele Tage und Stunden in der Tumor-Station des Städtischen Klinikums Fulda verbracht, in der man seinerzeit versuchte meinem Schwiegervater eine kleine Perspektive für seine letzten „Lebenswochen“ zu geben.

Seine Krankheit hat uns damals zum ersten Mal mit dem Thema Palliativmedizin konfrontiert und gezeigt wie wichtig es ist, schwerstkranke und sterbende Menschen würdevoll auf ihrem letzten Weg zu begleiten.

Nur wenige Tage nach dem eingangs erwähnten Lauf starb mein Schwiegervater im Kreis seiner Familie.

In diesem Jahr werde ich wieder am Start des Allgäu-Ultra-Trails stehen - diesmal jedoch nicht nur „für mich“ und mein Ziel „ankommen“, sondern vor allem für die Initiative „I run for life“, die Teil der Deutschen PalliativStiftung ist (www.irunforlife.de). Ausschlaggebend hierfür war neben dem persönlich Erlebten auch Ihr Bericht über Bernhard Müller aus Ebersburg.

Deshalb suche ich Sponsoren, die für jeden Kilometer, den ich beim Allgäu-Ultra-Trail laufen werde - also 69 an der Zahl - einen beliebigen Betrag spenden. Der Erlös wird zu 100% diesen Einrichtungen zugute kommen und einen kleinen Teil dazu beitragen, möglichst vielen Menschen ein „Leben bis zuletzt“ zu ermöglichen.

Herzliche Grüße,
Olaf Paulmann

Bericht Olaf Paulmann

Keiner hatte behauptet, dass es leicht werden würde. Keiner hatte garantiert, dass es bis ins Ziel reichen würde. Aber wie im richtigen Leben auch, muss man manchmal kämpfen und manchmal seine Ziele neu definieren.

So auch beim Allgäu-Ultra-Trail 2012, der von Sonthofen über zwei 1700er, durch das Kleinwalsertal, Oberstdorf und schließlich wieder zurück zum Ausgangspunkt führte. Insgesamt 69 Kilometer (K), gewürzt mit 3000 Höhenmeter (HM). Die erschreckendste Zahl des 19. August 2012 war jedoch die 31. Denn genau auf diese Zahl kletterte an diesem Tag das Thermometer.

Beim Start um 6 Uhr war noch alles frisch – die Läufer/innen genauso wie die Temperaturen. Zunächst an der Iller entlang ging es schon nach knapp 3 Kilometern in die Berge. Dort wo sich sonst Weltcup-Skiläufer den Berg hinunter stürzen, zog sich nun eine lange Schlange von Läufern den Berg hinauf. Wer den Blick nicht starr vor sich auf den oft schmalen Weg gerichtet hielt, konnte das grandiose Schauspiel miterleben, wie sich die Sonne langsam über die Berggipfel der benachbarten 2000 – 2500er schob. Außer den Sonnenstrahlen wurden wir lange Zeit von den auf den Weiden grasenden Kühen und dem Läuten der Kuhglocken begleitet. Sonst war nichts zu hören. Alpenidylle pur.

Nach 19 K und den ersten 1000 HM musste der erste Cut-Off in Grasgehren nach 3 1/4 Stunden passiert sein. Mit einem Puffer von gut 30 Minuten im Rücken blieb mir genügend Zeit die dort angebotene Verpflegung in Anspruch zu nehmen.

Mit dem guten Gefühl die erste Hürde genommen zu haben, nahmen wir Kurs in Richtung Kleinwalsertal. Verglichen mit dem Anstieg auf den ersten 19K ging es nun „relativ“ gemächlich zur Sache; die HM summierten sich langsam und so gab es genügend Möglichkeiten die sensationelle Landschaft des Allgäus zu genießen.

Nach rund 35 K war die Grenze nach Österreich erreicht, wo uns kurz darauf die nächste Verpflegungsstelle mit Helfern erwartete, die einem jeden Wunsch von den Augen ablasen, während der Sprecher des im Hintergrund laufenden Radios seinen Hörern die Frage stellte: „Und was machen Sie heute, am vermutlich heißesten Tag des Jahres?“

Was uns anging war die Frage leicht zu beantworten. Weiterlaufen. War es vor 2 Jahren für mich hier schon extrem hart gewesen, lief es in diesem Jahr weitaus besser. Alles war noch - oder besser gesagt nach kleineren Anfangskrisen wieder - relativ frisch. Die Zeichen standen auf „Finishen“.

Mit Asphalt statt „Trail“ unter den Füßen ging es hinab ins Kleinwalsertal, genauer gesagt nach Riezlern und über die riesige, das Tal überspannende Brücke. Wo vor 2 Jahren brütende Hitze lastete, ging diesmal ein Lüftchen und der vor mir liegende, endlose Aufstieg wartete darauf abgehakt zu werden. Ganz so leicht ließ er sich dann doch nicht „abhaken“. Extreme Steigungen am Anfang bedurften der ein oder anderen Gehpassage.

Begleitet wurden wir nun nicht mehr nur von den Kuhglocken und deren Trägern. Es kamen uns zunehmend mehr Touristen entgegen oder empfingen uns, hinter gekühlten Getränken versteckt, auf den zahlreichen am Wegesrand liegenden Almen. Sie hatten das Wetter genutzt, um mit der Seilbahn nach oben zu fahren und dann ins Tal zu wandern. „Einer von uns macht hier etwas falsch – die oder wir?“, dachte ich mir. Die Antwort wagte ich mir zu diesem Zeitpunkt aber nicht zu geben…

Endlich das Ende des Anstiegs erreicht, folgte nun zwangsläufig der Weg ins Tal nach Oberstdorf, vorbei an dem türkis in der Sonne glitzernden Freibergsee, in dem sich zahlreiche Leute tummelten. Der Abstieg kostet einiges an Kraft und es stellte sich die Frage was eigentlich schlimmer ist: bergab oder bergauf? Antwort: Beides, nur das es bergab schneller geht.

Dann durch die aufgeheizte Talebene von Oberstdorf zur Erdinger-Arena, die alljährlich nicht nur Station der Vierschanzentournee ist, sondern auch den zweiten Cut-Off des Allgäu-Ultras darstellt.

Zu diesem Zeitpunkt standen die Zeichen schon auf „Das wird noch hart heute“. Hatten wir den vorangegangenen Aufstieg in einer lockeren 3er / 4er-Gruppe hinter uns gebracht, waren meine Mitstreiter/innen auf den Downhills lockeren Schrittes davon geflogen, während sich der Pauli einer Lawine gleich ins Tal wälzte. Den Weg nach Oberstdorf alleine zu bewältigen, war angesichts des nächsten Cut-Offs schwer. 8 ¼ Stunden lautet das Maximum der bis zur Arena gewährten Zeit.

Endlich, die letzten Meter über den Parkplatz und die Straße zum Eingang der Arena, knapp 8 Stunden waren bereits vergangen als die Uhr an dieser Stelle schließlich bei 7:55 Std. stehen blieb. Geschafft!

Für mich war nun eine längere Pause unumgänglich, bevor der mörderische Aufstieg zum Sonnenkopf über 10 K mit 1000 HM in Angriff genommen werden konnte. Die Auswahl der angebotenen Speisen war absolut okay – vom Kuchen bis zum Obst war alles da -, doch genauso wie der Anblick der Iso-Getränke, der Cola oder des Wassers, konnte ich mich nicht dazu überwinden etwas zu mir zu nehmen. Als weitere Alternative gab es noch alkoholfreies Erdinger. Eigentlich nicht mein Ding während eines Wettkampfs – hier ließ ich es jedoch auf einen Versuch ankommen und es lohnte sich. Nach vier kleinen Bechern und einer leichten Massage der Beine durch einen der Helfer, raffte ich mich schließlich auf um den Versuch zu starten die Mission zu Ende zu bringen. Die bis dahin geringe Aufnahme von Kalorien und Flüssigkeit ließ nichts Gutes erwarten.

Um so überraschender lief es die nächsten 5 K jedoch erstaunlich gut… bevor der Mann mit dem Hammer kam und erbarmungslos zuschlug.

An der Verpflegungsstelle nach 54 K musste ich mir einen Becher Wasser noch mal förmlich aufzwingen. Zu zweit bildeten wir nun das Ende des Felds, das vom „Besenradler“ verfolgt wurde. Kein schönes Gefühl.

Wenig später kam der Zeitpunkt an dem man ernsthaft darüber nachdenken sollte, wie man dieses Projekt hier zu Enden bringen könne. Falls ein „finishen“ überhaupt noch möglich wäre, würde sich nicht nur der restliche Aufstieg, sondern auch der 10 K lange Abstieg als extrem anstrengend erweisen. Von Laufen würde wohl nicht mehr die Rede sein können, selbst „Wandern“ wäre wohl keine zutreffende Beschreibung meiner Fortbewegungsart mehr.

Die Sonne leistete nun ganze Arbeit und begann das was sie in den 10 Stunden zuvor begonnen hatte nun zu vollenden. An den Hängen stand die aufgeheizte Luft.

Die Dehydrierung forderte ihren Tribut. Leichte Kreislaufprobleme stellten sich ein und die Aussicht den „Shuttle-Service“ der Bergwacht in Anspruch nehmen zu müssen , lenkten die Gedanken über den weiteren „Renn“-Verlauf in eine andere, die einzig logische Bahn. Näherte ich mich hier dem Punkt, den man so gerne „falscher Ehrgeiz“ nennt, oder hatte ich diesen Punkt vielleicht schon überschritten?

„Verpflegung 300 m“ stand auf einem handgeschriebenen Schild zu lesen, das in einer kurzen Steilpassage an einem Strauch hing. Wenig später empfing mich einer der Helfer mit den Worten „Sie sind heute unser letzter Gast“ und spendierte mir eine kühlende Dusche.

Hinsetzen, nachdenken, um dann die einzig richtige Entscheidung treffen. Es fiel mir nicht leicht dem Besenradler, der mich kurz vor der Verpflegungsstelle überholt hatte, zu sagen „Ich steig hier aus!“ aber angesichts der Umstände gab es keine Alternative.

Nachdem es lange gut gelaufen und es ein großartiges Erlebnis gewesen war in dieser wunderbaren Landschaft laufen zu dürfen, die Hilfsbereitschaft der Helfer und das Miteinander unter den Läufern erleben zu können, hielt sich die Trauer über den Ausstieg in Grenzen. Hätten wir ein paar Grad weniger auf dem Thermometer gehabt, wäre der zweite Versuch den Allgäu-Ultra zu schaffen, vielleicht von Erfolg gekrönt gewesen.

So bleibt immerhin der Stolz darauf 2700 von 3000 HM und 57 von 69 K geschafft und – mehr noch - in dem Moment als es darauf ankam, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Keiner hatte behauptet, dass es leicht werden würde. Keiner hatte garantiert, dass es bis ins Ziel reichen würde. Und manchmal muss man seine kleinen Lebens-Ziele eben neu sortieren, um sie den wirklich wichtigen Dingen im Leben unterzuordnen.

1200 € wurden gespendet! Vielen Dank! Unterstützer dieser Aktion

NameVornameOrt
DanielStephanMünchen
EngelMelanieNeuhof
FleckBurkhardFulda
FühresHolgerSinntal
GottlDagmar und MartinNeuhof
HahnElkeFulda
HerbertMariaFulda
HoffmannIngridFulda
HoffmannCarina und MichaelNeuhof
HoffmannRenateNeuhof
K+S Kali GmbHWerk Neuhof-EllersNeuhof
Kanzlei Gaul, Gaul & MerscherNeuhof
KnollKlaus-DieterNeuhof
Krah-AbwassertechnikEbersburg
LindnerKarinaAlsfeld
MöllerMonikaNeuhof
MöllerUlrichNeuhof
MöllerWernerNeuhof
NeugebauerHerrmannFulda
PaulmannEgbertNeuhof
PaulmannOlafNeuhof
RauschhardSinaNeuhof
SchäferMarionNeuhof
SchiffhauerAlfredPetersberg
SchultheisMariaNeuhof
ThomasGitterNeuhof
VolknantMarinaNeuhof
WeismüllerKurtNeuhof
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