Extremes Leid und „Sterbehilfe“

Wir lehnen jegliche Form der aktiven Lebensverkürzung ab. „Aktive Lebensverkürzung“ ist sowohl die bewusste Lebensverkürzung in Form der aktiven Sterbehilfe als auch die gewerbsmäßige, geschäftsmäßige und/oder organisierte Beihilfe zur Selbsttötung.

Wir wollen keine Gesellschaft mit aktiver Lebensverkürzung. Wir treten gemeinsam dafür ein, die Rahmenbedingungen menschlichen Lebens bei schwerem Leid und begrenzter Lebenszeit zu verbessern und dafür Sorge zu tragen, dass unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger trotz ihrer schweren fortschreitenden Erkrankung bis zuletzt an einem menschenwürdigen Leben teilhaben dürfen.

Wir wollen keinen zunehmenden Druck auf die Betroffenen: Diese fühlen sich möglicherweise dazu verpflichtet, sich eher töten zu lassen oder selbst zu töten als anderen zur Last zu fallen oder Kosten zu verursachen.

Stattdessen muss Leid gelindert werden, konsequent mit allen zur Verfügung stehenden medizinischen, pflegerischen, psychosozialen und seelsorgerischen Möglichkeiten und Mitteln.

In extremen und seltenen Ausnahmefällen kann menschliches Leid trotz aller hospizlichen, palliativmedizinischen und palliativpflegerischen Anstrengungen unerträglich bleiben und deswegen der Wunsch nach einer raschen Erlösung von diesem Leid bestehen. Doch auch in diesen Einzelfällen brauchen die Patienten eine maximal lindernde Hilfe, die zumindest die Wahrnehmung des Leids reduziert. In solchen Ausnahmefällen gibt es eine palliative Sedierung – auch unter gleichzeitiger Beendigung nicht mehr gewollter, sterbensverlängernder Therapien – eine zulässige Behandlung.

Gesetze kann man ändern! - Notwendige Politikarbeit

In der täglichen Versorgungspraxis stellen sich für Ärzte, Pflegende und Betroffene regelmäßig sehr relevante Fragen, die jedoch nicht immer die angemessene Beachtung finden. "Wo kein Kläger, da kein Richter", so denkt man vielleicht. Aber es gilt leider auch: "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!"

Die Deutsche PalliativStiftung will auf dieser Seite auf Schwierigkeiten hinweisen – es aber auch nicht übertreiben. Einige Fakten müssen wir in der Versorgung vielleicht hinnehmen, anderes kann geändert werden. Die eingefügten Informationen sind sicher nicht alle unbedingt leicht verdaulich, deshalb "Wohl bekomm´s!"
Lesen Sie mehr

Die Entwicklung der palliativen Versorgung (Care) in Deutschland ist im Vergleich zu anderen medizinischen Fachdisziplinen „relativ“ jung.

„In den letzten Jahren sind durch Palliativmedizin und Hospizbewegung bereits spürbare Fortschritte in der Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden erzielt worden. Jedoch gibt es deutliche Hinweise aus Forschung und Praxis, dass weiterhin viele Menschen von den ambulanten und stationären palliativmedizinischen Angeboten nicht erreicht werden.

(Obwohl wir ALLE ein Recht darauf haben!) Dies beruht sowohl auf der noch immer nicht vorhandenen Flächendeckung von Einrichtungen und Diensten als auch dem nicht ausreichenden Bekanntheitsgrad palliativmedizinischer und hospizlicher Möglichkeiten. Zusätzlich hat sich gezeigt, dass für pädiatrische Palliativpatienten, bedingt durch das besondere Krankheitsspektrum, weitere Versorgungsformen geschaffen werden müssen.“ (vgl. http://www.bundesaerztekammer.de/)

Gesellschaftliche Vermeidung/ Tabuisierung des Sterben

Tabuisierung der Thematik:

Folgt man den Überlegungen von Feldmann (1997, 2004) dann gehören Tod und Sterben und insbesondere der Prozess der Sterblichkeit zu den Ereignissen, die in unserer derzeitigen Gesellschaft besonders einer Verdrängung, Tabuisierung und Isolierung unterliegen (dazu auch Hauke 2010).

Es gibt Möglichkeiten wie wir das Leben bis zum Schluss lebenswert gestalten können. Die palliative Versorgung kann Ihnen z.B. durch Schmerztherapie und Symptomkontrolle dazu beitragen das Ihr Leben bis zuletzt lebenswert sein kann, Ängste und weiteres Leid kann man lindern bzw. nehmen. Leider kennen über 90 % der Deutschen diese palliative Versorgung nicht.

In einer repräsentative Meinungsumfrage zu dem Thema „Palliative-Care mit der zentralen Fragestellung „Was wissen die Deutschen von Palliative-Care“ bzw. „Was denken die Deutschen über Palliative-Care? (EMNID 2003) Als Ergebnis wurde festgehalten, „dass fast 90% der Deutschen mit dem Begriff Palliative-Care nichts anzufangen wissen. 6,4% der Befragten assoziieren damit etwas Falsches.“ (ebd., S. 4) Lediglich 3% können Palliative-Care korrekt zuordnen und können zwischen „dem Heilungsauftrag, wie er als kurativer Auftrag im Gesundheitssystem integriert ist, und dem Begleitauftrag, wie Palliative-Care ihn subsumiert“ (ebd.) unterscheiden. Zudem fragt diese Studie danach, „wie man sich den eigenen Tod am angenehmsten vorstellen könnte“ (S. 6) und kommt zum Ergebnis, dass viele Menschen in Deutschland „am liebsten schnell und plötzlich sterben würden.“ Aus den Antworten zieht die Studie den Schluss, dass die Befragten vor allem große Angst davor haben, anderen zur Last zu fallen. Auch die große Sorge, nichts mehr „leisten“ zu können, wird als „Würdeverletzung“ empfunden (ebd.) (vgl. auch Kruse 2000).

„Am liebsten schnell und plötzlich sterben Wollen“ scheint darauf hinzuweisen, dass die soziologische Gegenwartstheorie, die von einer Erlebnisgesellschaft (Schulze 2000) spricht, offenbar einen positiven Erlebnisbegriff verwendet. Denn tatsächlichen haben Erleben und Erlebnis als Begriff einen hohen Rang. So stellt sich die Frage, ob es noch Tage gibt, ohne mit diesen Begrifflichkeiten konfrontiert zu werden? Z.B. geht man offenbar nicht mehr einfach ins Schwimmbad sondern ins „Erlebnisbad“ und das Zusammensein mit Freunden soll zum Gruppenerlebnis werden. Beim Bäcker heißt es nicht mehr „probieren Sie unsere Brötchen“, sondern „erleben Sie unsere Brötchen“. Unternehmen benutzten anscheinend die positiven Vorstellungen, die mit dem Erlebensbegriff verbunden sind, um ihren Umsatz zu steigern. Aber auch Tod und Sterben sind mit starken Erlebnissen, mit heftigen Gefühlen wie Schmerz, Angst, Wut, Verzweiflung, Trauer, Leere (vgl. Kübler-Ross 1971, Kast 1996) sowie Leistungsverlust und damit Abhängigkeit assoziiert. Das damit verbundene Erleben soll aber eher vermieden, tabuisiert, verschoben, etc. werden.

Dieser gesellschaftlichen Tendenz entgegen zu steuern, ist der Kern der Hospizüberlegung, die sich das Ziel gesetzt hat, das Sterben in das Leben einzubeziehen und in den Alltag zurückzuholen (vgl. Student 1999).

(Quelle: Marcel Sühwold, Zum Bekanntheitsgrad der palliativen Versorgung, 2012)

Spendenkonto

Unsere Partner Sportärzteverband Hessen e.V.
„I run for life“ - Eine sozialsportliche Initiative der Deutschen PalliativStiftung und der Techniker Krankenkasse