Ethische Grundlage der Begleitung

Sterbenszeit ist als letzte Lebensphase Lebenszeit. Schwerstkranke und Sterbende sind Schwache, denn Sterben als Lebensphase zeichnet sich durch den Verlust der leiblichen, psychischen, sozialen und spirituellen Unversehrtheit in unterschiedlichem Ausmaß aus und führt damit zu einer Abhängigkeit Sterbender von Dritten.

Als solchermaßen Schwache bedürfen Sterbende der Fürsorge unserer Gesellschaft und im Sinne der Daseinsvorsorge auch unseres Staates, unserer Länder und unserer Gebietskörperschaften. Denn der Wert unserer Gesellschaft misst sich nicht zuletzt daran, wie wir mit unseren Schwachen umgehen, und die Verantwortung für die Daseinsvorsorge Schwerstkranker und Sterbender muss gemeinschaftlich wahrgenommen werden.

Die Daseinsfürsorge Schwerstkranker und Sterbender darf sich jedoch nicht alleine auf pflegerische und medizinische Versorgung reduzieren, sondern muss im Sinne der Hospizidee und des Palliative Care-Ansatzes umfassender erfolgen.

Hier möchte die Deutsche PalliativStiftung unterstützen und durch Verfolgung ihrer Ziele dazu beitragen, dass allen Menschen, die dies brauchen, hospizliche wie palliative Versorgung zukommen kann.

(Präambel der Verfassung der Deutschen PalliativStiftung)

Palliative Care

Der Grundgedanke der Hospizarbeit und der palliativen Versorgung (Palliative Care) liegt aber in der Geschichte schon viel früher begründet. Schon viele Jahrhunderte vor Christi Geburt versuchten die Menschen (meist Frauen) Heilung zu betreiben (s. geheiligte Tempelbezirke Mesopotaniens). Aus dieser vorwiegend weiblichen Heilungskunst entwickelten sich bis zu Beginn des 20. Jh. drei wesentliche Ziele für das damalige Handwerk der Heilung:

  • Es galt manchmal zu heilen!
  • Häufig zu lindern!
  • Und stets zu begleiten!

(Stundent1991, S. 8)

Dieser ursprüngliche Ansatz der Heilungskunst ist vor allem mit dem Namen Cicely Saunders verbunden. Sie fokussierte in ihrer Praxis dieses Konzept und legte damit als Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin den Grundstein für die moderne Hospizbewegung.

Sie gründete 1967 das St. Christopher Hospice in London, das damit das erste „Hospiz“ für sterbende Menschen wurde. Während ihrer Tätigkeit als Krankenschwester lernte Cicely Saunders den krebskranken David Tasma kennen. Cicely Saunders tauschte sich viel mit ihm über ihre Wunschvorstellung aus, eine Heimat für sterbende Menschen einrichten zu wollen, worauf dieser – so wird berichtet (Infomaterial German Days St. Christopher Hospice 2011) - Cicely Saunders die ersten 500 Pounds für diesen Traum - mit dem Satz: “I will be a window in your home!“ - spendete, und somit den Grundstein für die moderne Hospizarbeit legte. Noch heute kann man das gespendete Fenster von David Tasma im St. Christopher Hospice besichtigen.

Gleichzeitig war es Cicely Saunders innerhalb ihrer Arbeit mit den sterbenden Menschen stets wichtig ein ‚Haus des Lernens’’ zu sein. Entsprechend verwies sie immer wieder darauf, dass man von und mit den sterbenden Menschen lernen müsse. Ihr waren die Symptomkontrolle und vor allem die Schmerztherapie sehr wichtig, um Menschen mehr Lebensqualität zu ermöglichen. Aus ihren Forschungen und Therapien entwickelte sich die – auch derzeitig noch gültige - Grundlage der modernen Morphintherapie.

Während ihrer Tätigkeit erkannte Mrs Saunders zudem, dass die meisten Menschen zu Hause leben und sterben wollten. Aufgrund dessen gründete sie die erste ambulante Hospizarbeit mit dem Ziel, dass einige gut geschulte Pflegekräfte Menschen bis zu ihrem Tod zu Hause betreuen und begleiten konnten.

Ihre Pioniertätigkeiten fanden im Vereinigten Königreich und wachsend in den Vereinigten Staaten große Zustimmung. Es folgten ihr in UK und in den USA eine weitere Pioniern der Hospizarbeit: Elisabeth Kübler Ross, die mit ihrem Buch „On death and dying“ weltweit das Tabuthema Sterben, Tod und Trauer in die öffentliche und fachliche Diskussion einführte und vor allem mit ihren fünf Sterbephasen für wissenschaftliche Diskussionen, aber auch für öffentliche Empörung sorgte.

Cicely Saunders nannte anfangs ihre Arbeit und das Handlungsfeld der Hospize als „terminal care“ und später als „hospice care“. Dieser Terminus wurde nachfolgend von den meisten Dachorganisationen des Gesundheitswesens dem Begriff „palliative care“ zugeordnet. Palliative Care hat vor allem den Ansatz, das Sterben dort zu ermöglichen wo die Menschen leben und diese - bei Bedarf - durch einen ambulanten Ansatz zu begleiten: Hospice Care ist somit als ein Bestandteil der palliativen Versorgung (Care) zu begreifen.

Palliativ kommt aus dem Lateinischen und steht für Mantel. Die Übersetzung ist nicht vollkommen schlüssig, aber sie wird oft mit „schützend und ummantelnd“ assoziiert. In Deutschland setzte sich die Übersetzung „palliative Versorgung“ durch.

(Quelle: Marcel Sühwold, Zum Bekanntheitsgrad der palliativen Versorgung, 2012)

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